Ruth (ca. 1322 bis 1312 v.Chr. in der ersten Hälfte der Richter; Schriftsteller war Samuel)
Zur Zeit der Richter entstand eine Hungersnot. Gott strafte das Volk, weil sie Ihn als ihre Quelle und Ehemann aufgaben und Götzen nachliefen, die tot waren und ihnen keine Nahrung geben konnten. Elimelech zog mit seiner Frau Noomi und seinen beiden Söhnen Machlon und Kijon von Bethlehem, dem besten Stück vom verheissenen Land, nach Moab, ein Ort der Blutschande. Moab war der Nachkomme von Lot und seiner Tochter. Die Moabiter durften bis zur zehnten Generation nicht in die Gemeinde Jehovas kommen, weil sie Israel nicht mit Brot und Wasser versorgten, als sie aus Ägypten heraufkamen, sondern vielmehr Bileam schickte, der sie verfluchen sollte. Sie misshandelten Israel. Drittens war Moab ein Land des Götzendienstes. Elimelech starb in Moab. Seine beiden Söhne nahmen sich moabitische Frauen, Orpa und Ruth. Sie wohnten ungefähr zehn Jahre dort. Da starben auch die beiden Söhne und Noomi kehrte nach Bethlehem zurück, denn sie hatte gehört, dass Jehova ihrem Volk wieder Brot gegeben hatte. Ihre Schwiegertöchter begleiteten sie. Doch Noomi sagte: „Geht wieder zu eurem Elternhaus zurück. Jehova vergelte euch, was ihr Gutes an mir und den Toten getan habt.“ Da weinten sie und sagten: „Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.“ Noomi sagte: „Kehrt um, meine Töchter! Ich bin zu alt, um nochmals zu heiraten. Und selbst wenn ich heute noch einen Mann bekäme und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten bis sie erwachsen sind? Ich kann euch nicht zumuten, dass ihr das bittere Schicksal mit mir teilt, das Gott mich hat treffen lassen.“ Da verabschiedete sich Orpa mit einem Kuss und Noomi sagte: „Geh mit deiner Schwägerin zu deinem Volk zurück.“ Aber Ruth sagte: „Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Wo du hingehst, da will auch ich hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, will ich auch begraben werden. Jehova soll mich bestrafen, wenn uns irgend etwas anderes als der Tod voneinander trennt.“ Gewiss hatte Ruth viel über Gott, Gottes Verheissung und dem guten Land gehört, so dass sie ihre wunderbare Wahl treffen konnte. Als sie nach Bethlehem kamen, geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung, denn als geachtete Frau zog sie weg. Noomi sagte: „Nennt mich nicht mehr Noomi (die Fröhliche), sondern Mara (die Betrübte). Denn der Allgenügende hat mir bitteres Leid hinzugefügt. Ich besass so viel als ich auszog und komme mit leeren Händen zurück.“ Da sie gerade zu Beginn der Gerstenernte (Die Gerste reift früher als jedes andere Korn und ist ein Bild auf den auferstandenen Christus gemäss Joh. 6,9-10, 56-58) kamen sagte Ruth zu Noomi: „Ich möchte aufs Feld gehen und Ähren auflesen. Es wird mir bestimmt jemand erlauben.“ Noomi sagte: „Ja, mach das.“ Gott gebot die Eckend der Felder für die armen, Reisenden, Waisen und Witwen stehen zu lassen. Wer dies tat, wurde von Gott gesegnet (3.Mose 23,22; 3.Mose 19,9-10). Je grösser der Glaube an Jehova war, desto grösser waren die Ecken des Feldes. Das Ähren sammeln war kein Betteln, sondern es war ihr Recht. Es traf sich, dass sie auf dem Feld Ähren auflas, das Boas gehörte, der ein reicher Verwandter von Noomi war. Da kam Boas und begrüsste seine Schnitter mit „Jehova sei mit euch“ und sie grüssten zurück „Jehova segne dich“. Er fragte sie, wer die junge Frau sei und sie erzählten ihm, dass Noomi diese moabitische Frau mitgenommen hatte. „Sie dem frühen Morgen ist sie schon da und hat sich nur wenig im Haus ausgeruht“. Da sagte Boas wohlwollend zu Ruth: „Hör auf meinen Rat, Tochter! Geh nicht auf ein anderes Feld, sondern halte dich zu meinen Mägden. Ich habe meinen jungen Knechten geboten, dich nicht zu belästigen. Und wenn du durstig bist, darfst du aus den Gefässen nehmen, die von den Knechten bereit gestellt worden sind.“ Da warf sich Ruth vor ihm nieder und sagte: „Wie habe ich es verdient, dass du so freundlich bist zu mir, obwohl ich eine Fremde bin?“ Die Moabiter wurden vom Volk Israel verachtet. Doch weil die Mutter von Boas auch eine Fremde war, nämlich die Hure Rahab von Jericho, war es für Boas leichter als für andere, Fremde zu respektieren. Boas sagte: „Ich habe gehört, was du alles für deine Schwiegermutter getan hast und dass du deine Eltern, dein Land verlassen hast und zu einem Volk gekommen bist, das du nicht kanntest. Jehova, zu dem du gekommen bist, um Schutz unter seinen Flügeln zu suchen, vergelte deine Tat und möge dich reich belohnen.“ Ruth sagte: „Du bist so freundlich zu mir! Du hast mich getröstet und mich ermutigt, obwohl ich nicht einmal wie eine deiner Mägde bin.“ Zur Essenszeit rief Boas Ruth: „Komm hierher, iss Brot und tauche deinen Bissen in den Essigtrank.“ Sie setzte sich zu den Mägden und Knechten, ass mit, wurde satt und behielt noch etwas übrig von den gerösteten Körnern. Als sie aufstand und weiterzuarbeiten, sagte Boas zu den Schnittern: „Lasst sie auch dort sammeln, wo die Garben noch nicht weggeräumt sind und macht ihr keine Vorwürfe. Zieht immer wieder Ähren aus den Garben und lasst sie dort für sie liegen. Kein böses Wort soll sie von euch hören.“ Bis zum Abend arbeitete Ruth und als sie die Ähren ausklopfte, hatte sie ungefähr 15 kg (ein Efa) Gerste zusammen. Noomi rief freudig, als sie hörte, was Ruth ihr erzählte: „Jehova segne Boas! Jetzt sehe ich, dass Jehova Seine Barmherzigkeit von uns Lebendigen und von den Toten nicht abgewendet hat. Boas ist mit uns verwandt und er ist einer unserer Löser. In 3.Mose 25,25 steht: „Wenn dein Bruder verarmt und etwas von seinem Grundbesitz verkauft, soll sein Verwandter als Löser für ihn eintreten und den verkauften Boden seines Bruders auslösen. Und in 5.Mose 25,5 steht: Wenn Brüder beieinander wohnen und einer stirbt ohne Söhne, so soll seine Witwe nicht die Frau eines Mannes aus einer andern Sippe werden, sondern ihr Schwager soll zu ihr gehen und sie zur Frau nehmen und mit ihr die Schwagerehe schließen. Ich möchte nicht nur, dass du an den Reichtümern von Boas teilhast, sondern ich hoffe, dass du Boas selbst als deinen Ehemann gewinnst und einen Sohn für den Namen Elimelchs hervorbringst“. So hielt sich Ruth zu den Mägden von Boas bis die Gersten- und die Weizenernte beendet waren. Dann blieb sie zu Hause bei Noomi. Eines Tages sagte Noomi zu Ruth: „Ich möchte dir helfen, dass du wieder einen Mann und ein Zuhause bekommst. Boas worfelt heute Nacht die Gerste auf der Tenne. Danach werden die Männer dort schlafen, um die Gerste vor Diebstahl zu bewachen. Wasch dich, salbe dich, zieh dein schönstes Oberkleid an und geh zur Tenne. Zeig dich ihm erst, wenn er fertig gegessen und getrunken hat. Merke dir die Stelle, wo er sich zum Schlafen hinlegt und schlüpf am Fussende unter seine Decke. Er wird dir dann sagen, was du tun sollst.“ Ruth machte es so, wie ihr Noomi empfohlen hatte. Um Mitternacht wachte Boas auf und erschrak, als er eine Frau bei seinen Füssen bemerkte. Er fragte, wer sie sei und sie sagte: „Ich bin Ruth, deine Magd. Breite dein Gewand über mir aus, beschütze mich und nimm mich zur Frau, denn du bist der Löser.“ Boas sagte: „Jehova segne dich, meine Tochter! Jetzt hast du deine Liebe und Freundlichkeit noch schöner gezeigt als bis anhin, weil du nicht den reichen oder armen jungen Männern nachläufst. Meine Tochter, mach dir keine Sorgen, ich will dich lösen, denn mein Volk weiss, dass du eine tüchtige Frau bist. Aber es gibt noch einen Löser, der näher verwandt ist als ich. Bleib über Nach hier. Morgen frage ich ihn, ob er dich lösen will. Wenn nicht, dann löse ich dich, so wahr Jehova lebt.“ Dies zeigte, dass Boas eine hohe Moral hatte, ein reines Benehmen hatte, sich völlig beherrschte in seinem Kontakt mit Ruth auf der Tenne. Er schwelgte nicht in seiner Lust wie die Richter. Er war auch sehr weise in seinen Entscheidungen war, treu im Halten der Verordnungen Gottes und hinterging den Verwandten nicht, der Ruth näher stand als er. Er ging nicht den Weg der Kraft, sondern den Weg des Lebens und der Redlichkeit. Er vertraute Gott und nahm es in Kauf, allenfalls ohne Ruth und Zuwachs bleiben zu müssen. Ruth stand am Morgen früh auf, bevor einer den anderen erkennen konnte. Boas füllte ihr Tuch, das sie umhatte, mit ungefähr 25 kg (sechs Mass) Gerste und hob ihr das Bündel auf die Schulter, denn er wollte nicht, dass sie mit leeren Händen zur Schwiegermutter zurück kam. Dann ging er zum Versammlungsplatz am Tor der Stadt. Da kam der Löser vorbei, von dem Boas geredet hatte. Boas rief zehn Älteste der Stadt herzu und sagte zum Löser: „Noomi will das Grundstück Elimelechs verkaufen. Wenn du es lösen willst, so sollen diese Ältesten Zeugen sein. Wenn du es nicht lösen willst, so sag es mir, damit ich es lösen kann, denn ich komme erst nach dir.“ Er sagte: „Ich will es lösen.“ Boas sagte: „Wenn du das Grundstück kaufst, musst du auch Ruth heiraten. Ihr Sohn wird als Nachkomme ihres verstorbenen Mannes gelten und später das Grundstück erben, damit der Name des Verstorbenen auf dem Grundstück erhalten bleibt.“ Da sagte er: „Wenn das so ist, kann ich es nicht lösen, da ich sonst meinen eigenen Erbteil schädige. Ich würde ja etwas kaufen, das später nicht mehr mir gehört. Nimm du es!“ Um den Handel zu bestätigen, zog er seinen Schuh aus und gab ihn Boas. Das war damals der Brauch. Boas sagte zu den Ältesten: „Ihr seid Zeuge, dass ich heute alles von Noomi gekauft habe, was Elimelch und seinen Söhnen Machlon und Kiljon gehört hat. Dazu habe ich mir auch Ruth als Ehefrau erworben, damit der Name ihres verstorbenen Mannes nicht ausgerottet wird.“ Die Ältesten und das Volk bezeugten: „Wir sind Zeugen. Jehova möge deine Frau so reich beschenken wie Rahel und Lea, die das Haus Israel gebaut haben. Möge es dir in Efrata gut gehen und mögest du in Bethlehem geachtet werden. Jehova möge dir so viele Nachkommen geben wie der Familie von Perez, dem Sohn von Tamar und Juda.“ Als Ruth einen Sohn gebar, sagten die Frauen zu Noomi: „Preist den Herrn, dass Er dir mit diesem Kind einen Löser geschenkt hat, der sich in deinem Alter um dich kümmern wird. Sein Name soll gerühmt werden. Deine Schwiegertochter, die dich liebt und die dir mehr Wert ist als sieben Söhne, hat ihn geboren.“ Noomi nahm das Kind auf ihren Schoss, was ein Zeichen war, dass es in die Erbrechte der Familie Elimelechs eingesetzt wurde. Ihre Nachbarinnen gaben ihm den Namen Obed (Diener des Herrn) und freuten sich, dass Noomi einen Sohn bekommen hat. Obed wurde der Vater Isais. Isai war der Vater vom König David. Das sind die Nachkommen von Perez, dem Sohn von Juda: Hezron, Ram, Amminadab, Nachschon, Salmon, Boas, Obed, Isai, David.
